Ritual 1 – Ein Handschuh auf einer Antenne

Angestachelt durch den Kollegen Zechbauer habe ich mir gerade vorgenommen, doch noch die Gesamtliste des Tippkaisers vom letzten Spiel zu veröffentlichen. Tja, so war der Plan. Nachdem ich den “Mist” 2x in Excel eingehämmert habe und mir die Karre auch 2x abgesoffen ist, habe ich jetzt keine Lust mehr. Ein neuer Versuch wird morgen gestartet.

Aber der eigentliche Grund meines nächtlichen Wachseins ist, dass ich das Buch Sehnsucht FC Bayern angefangen habe zu lesen. Ich bin zwar erst auf Seite 70, aber dennoch sehr begeistert. Der Autor Armin Radtke ist zwar ein paar Jährchen eher ins Fantum eingestiegen, aber die Zeiten kommen doch ziemlich nah an meine heran. Ein Vergleich der Erlebnisse wird letztendlich automatisch hergestellt und verarbeitet. Und immer wieder sehe ich im Fan Radtke auch den kleinen Patrick. So wird es wahrscheinlich den meisten Lesern ergehen, soweit man denn ebenfalls Herzblut für den FC Bayern ausschüttet. Der Autor und ich liegen da auf einer Wellenlinie.

Unter anderem wird dort geschildert, was man für merkwürdige Rituale an den Tag legt, nur weil man davon überzeugt ist, dass könnte dem Spiel des FC Bayern Flügel verleihen. Eine Möglichkeit ist, den Fernseher abzuschalten und zu hoffen, dass bei erneutem Einschalten das Torekonto der Münchner sich verbessert hat.

Ich habe schon so einige Rituale im Laufe der Jahre durchprobiert. Naja, was heißt schon probiert? Ich bin überzeugt, dass es uns so einige Male den Sieg gerettet hat. Meine ersten Utensilien bestanden aus einer abgebrochen Antenne eines kleinen Radios und eines Mini-Boxhandschuhs. Ich meine diese Teile die man sich an den Schlüsselbund machen kann. Keine Ahnung, wo das Teil hergekommen ist. Es war wieder einer dieser Samstage 1987. WDR mit der Sendung “Sport und Musik” lief im Radio. Der Name wurde ja immer mal wieder geändert, aber zu diesem Zeitpunkt hieß die Sendung so, denke ich. Es war das Spiel gegen den 1. FC Köln im Müngersdorfer Stadion. Ich kam auf die Idee den Handschuh auf die Antenne zu stecken und das Teil mit geschickten Bewegungen auf der Antenne kreiseln zu lassen, während ich auf der Couch lag und auf Tormeldungen lauerte. Die Bayern lagen 1:0 zurück. Kaum drehte dieser bekloppte Handschuh ein paar Runden, vermeldete der gute Mann im Radio das 1:1 für den FC Bayern durch Klaus Augenthaler. Das es sich dabei um einen puren Zufall handelte, wollte mir in dem Augenblick nicht in den Sinn kommen. Ich habe das Tor doch tatsächlich mit diesem selbstgebauten Kreisel in Verbindung gebracht und schickte mich wochenlang an, während der Spiele fast 90 Minuten (bzw. bis die Bayern einen sicheren Vorsprung hatten) diesen Handschuh zu bewegen. Bekloppter geht es gar nicht. Als ich irgendwann das Spiel woanders hören musste und keine Möglichkeit vorhanden war mit einer abgebrochenen Antenne durch die Gegend zu laufen, habe ich diese “Sucht” aufgebeben. Erstaunlicherweise konnte ich keinen Unterschied zu der Zeit mit Kreisel feststellen, was den FC Bayern angeht. Mein Unterarm war allerdings froh über diese Lebensänderung.

Naja, aber zu der Zeit war es ganz bestimmt entscheidend. Gut, dass ich es gemacht habe. Wer weiß, ob wir sonst in der Saison Meister geworden wären. :-)

Wenn ihr ähnliche verrückte Ideen hattet, dann grämt euch nicht, sie hier niederzuschreiben.


7 Responses to “Ritual 1 – Ein Handschuh auf einer Antenne”

  • MaestroX009 Says:

    Ich musste feststellen das wenn wir in Rückstand geraten und ich gehe, bzw den Fernseh ausmache immer noch alles drehen.
    Ein Beispiel : Beim Rückspiel gegen Getafe hab ich nach 3:1 entnerft den TV ausgemacht und bin schlafen gegangen. Und hab mich dann etwas gewundert warum alle so fröhlich waren am nächsten Tag in der Arbeit :)
    Auch gegen ManU nach dem 3:0 bin ich gegangen und keine 10 sek später kam schon das Gegentor

  • MaestroX009 Says:

    *das Tor mein ich natürlich, nicht Gegentor

  • Phillip Says:

    Du scheinst ja ein echter Fan zu sein, wenn du immer dann “gehst” wenn es nicht läuft! Gott ist das ekelig! Bist dann auch so einer, der die Mannschaft ausbuht und 20 Minuten vor Spielende geht, damit man gut mit dem Auto wegkommt!?!

    Ein Ritual was sich wirklich schon zigmal bewährt hat ist, auf Toilette zu gehen und wenn ich wieder komme ist meistens ein Tor gefallen. Ich kann gar nicht die ganzen Beispiele aufzählen aber man muss sich das so vorstellen.
    Wir gucken alle zusammen in einen Raum, schön mit Beamer und großer Leinwand. Und (gefühlt) jedes mal, wenn ich aus den Raum gegangen bin um die Toilette aufzusuchen, fiel ein Tor.
    Ich habe es jetzt schon so weit geführt, dass ich, wenn es brenzlig ist, “absichtlich” auf Toilette gehe, nur damit ein Tor fällt wenn ich wieder komme. Dieses absichtliche Wasserlassen hat aber erst einmal geklappt =D

  • MaestroX009 Says:

    Natürlich bin ich ein echter Fan.
    Ich bin in der Zeit der größten Niederlage unendlich mit Bayern verschmolzen, was anderes lasse ich mir nicht nachreden. Und wenns meinem Verein hilft das ich Weggucke, dann sehe ich es als Pflicht an das zu tun! xD
    Und ich gehe ja nur vom Fernseher, hocke dann kauernd vor nem Liveticker mit Puls von 210 und zitternend Körper (Und leider ist das nicht mal übertrieben) :D

  • zechbauer Says:

    Pokal gegen Nürnberg in Frankfurt – wir lagen 2:0 zur Halbzeit zurück. Danach wurde allesmögliche an Fanutensilien auf und um den Fernseher herum drapiert. Endstand: 4:2 für uns durch Turban-Dieter. Mach ich heute noch…

  • Praelat Says:

    Ich habe keine Rituale dieser Art, dafür aber bei der letzten EM 2008 festgestellt, dass Deutschland immer dann verloren hat, wenn ich nüchtern geblieben bin. Beim Kroatien-Spiel mußte ich meine Eltern spät vom Flughafen abholen, und beim Finale stand ich beim Public Viewing hinter der Theke, wo wir erstens nicht (Alkohol) trinken durften und ich zweitens gar keine Zeit dafür gehabt hätte. Die beiden Spiele hat Deutschland verloren, alle anderen gewonnen. Meine Konsequenz für die WM ist klar :)

  • Patrick Says:

    Jeder der etwas unternimmt um die drohende Niederlage abzuwenden ist auf jeden Fall ein echter Fan. Und wenn man dafür sogar den Fernseher abschaltet. ;-)

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