Nach dem Titel ist vor dem Triple

Wie aus einem Guss. So könnte man das Spiel des FC Bayern bezeichnen, dass sie gegen Werder Bremen zeigten.

Mein Tag war dagegen viel komplizierter. Ich habe es schon vorab in dem einen oder anderen Tweet mitgeteilt, ich konnte mir das Spiel nicht so richtig anschauen, da ich auf einem sehr amüsanten Junggesellenabschied verweilen durfte.

Nils, wenn du das hier liest, es war ein echt lustiger Abend. Mein “Kater” sprach Bände. Es hat sich gelohnt auf die Final-Karten zu verzichten. Außerdem habe ich mit den Karten meinem Kumpel Michael eine Freude machen können. So wie er mir berichtete, war es die beste Stimmung, die er bisher bei einem Bayern-Spiel erlebt hat. Irgendwann werde ich das auch mal erleben. Meine Zeit kommt noch. :-)

So ergab es sich, dass ich die erste Halbzeit, in Köln am Rhein, per Internet-Radio über mein iPhone verfolgen musste. Gerade im entscheidenden Augenblick des Elfmeters, rief mein Kumpel Michael an, um mir eine Live-Berichterstattung des Elfmeters zu bieten. Hektik bricht aus, die Internet-Radio-Verbindung bricht ab, ich drücke ihn versehentlich weg…schweigen. Die versammelte Mannschaft guckt sich verdutzt an und fragt: „Wat is denn nu mit dem Elfmeter?“ Eine Verbindung zum Internet-Radio ließ sich nicht mehr herstellen. Nach einigen Minuten der erlösende Anruf. Robben, der gute Arjen Robben hat sicher verwandelt. Ich schreie meine Freude über den Rhein. Dabei fühlte ich mich ein wenig wie Jürgen Klinsmann am Tag seiner Entlassung. Einsam. Naja, mal was anderes.

Zur zweiten Halbzeit war endlich eine Kneipe mit Live-Übertragung gefunden. Natürlich konnte das 2:0 für uns nur fallen, wenn ich mal eben die Toilette aufsuche. Großspurig habe ich noch verlauten lassen, dass ich es mir bisher verkneifen konnte. Tja, dafür dauerte das erste Mal dann solange, dass mir das zweite Tor leider auch verwehrt blieb. Egal. Hauptsache der Pott ist gleich in unseren Händen. Unsere gutgelaunte Truppe ließ sich vom guten Spiel der Bayern anstecken und schmiss immer mal wieder ein „Wer hat die beste Abwehr? Der FC Bayern!“ in die Runde. Das dritte und vierte Tor der Bayern habe ich dann endlich mal live mitbekommen. Und wieder war mein Jubel der Lauteste in unmittelbarer Nähe. Wieder das Gefühl der Einsamkeit in einer Großstadt. Als ich nach dem vierten Tor ein „nur noch 6, nur noch 6“ anstimmte, flüsterte mir der Kellner ermahnend ins Ohr, dass es jetzt „gut“ wäre. Ob er die Bayern damit meinte, oder meinen einsamen Jubel, kann ich nicht sagen. Den restlichen Abend stand wieder der Bräutigam im Mittelpunkt. Und das war auch gut so.

Als ich mir dann aber am nächsten Tag die Wiederholung des Spiels anschaute, habe ich doch tatsächlich noch Gift und Galle gespuckt. Drei Spieler brachten mich zur Weißglut.

Clemens „Ich trete dir in die Eier“ Fritz,
Tim „Ich würge dich zu Tode“ Borowski und
Torsten „Ich breche dir beide Stäbe“ Frings.

Bei einem Spiel, in dem Hopfen und Malz verloren ist, so reinzugehen, dass man mutwillig eine Verletzung von Spielern, die noch ein Champions League Finale und eine WM spielen müssen, in Kauf nimmt, ist absolut armselig. Wir können froh sein, dass Ribéry, Müller und Schweinsteiger bei diesen Szenen so ruhig geblieben sind. Und den drei Bremern möchte ich einfach nur sagen: „0:4 in your face! Und jetzt fahrt in den Urlaub und geht mir aus den Augen, ihr Affen!“ Gott sei Dank, spielt keiner von den Chaoten bei der WM mit. Was bei solchen Aktionen passieren kann, sehen wir jetzt wunderbar an dem Beispiel von Michael Ballack. Glückwünsche hätte ich von den Typen nach dem Spiel nicht angenommen.

Vielen Dank, FC Bayern München. Es war ein großes Spiel und dadurch auch ein traumhaftes Finale. Ich bin schon immer ein stolzer Fan dieses Vereins gewesen, aber was ihr diese Saison leistet, ist der absolute Wahnsinn. Ein Sieg gegen Inter Mailand ist für mich keine Pflicht. Ich bin auch so zu 100% zufrieden und freue mich einfach auf einen schönen Saisonabschluss.

Den aktuellen Tippkaiser konnte niemand ablösen. Eine Chance gibt es in dieser Saison noch.


6 Responses to “Nach dem Titel ist vor dem Triple”

  • Jannik Says:

    “Und jetzt fahrt in den Urlaub und geht mir aus den Augen, ihr Affen!“

    “Glückwünsche hätte ich von den Typen nach dem Spiel nicht angenommen.”

    Irgendwie zeugt Deine Schreibe da oben nicht gerade von der Souveränität eines Siegers. Da fällt es mir schwer, Euch den Champions-League-Sieg zu gönnen, den sich die Mannschaft mit ihrer Spielweise echt verdient hätte, so schwer es mir fällt, das zu sagen. Probiert es mal weniger von oben herab – dann finden sich sicherlich ein paar mehr Leute, die sich mit Euch freuen. So dann eher nicht…

  • Patrick Says:

    Das hat doch nichts mit “von oben herab” zu tun, wenn es mich ärgert, dass Spieler meines Vereins derbe gefoult werden. Da ist mein verbales Foul sehr harmlos und kann auch keine Schäden in Bezug auf CL-Finale und WM verursachen. Es stand bereits 0:3. Da lässt sich so eine Spielweise nicht mehr entschuldigen. Das ist Fakt.

  • Jannik Says:

    Wir könnten jetzt weiter über Für und Wider diskutieren, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir da bis ans Ende dieser Welt auf keinen grünen Zweig kommen. Also geb’ ich jetzt schon auf und geh’ ins Bett.;)

  • Sidan Says:

    Als Fussballprofi in einem Pokalfinale denkt man ja auch an den Terminplaner des Gegenspielers. Die verrückten Bremer holzten also die armen Bayern um, die ja noch ein weiteres Finale und die WM vor sich haben. Wie gemein. Solche “Affen”. Krass.

  • Patrick Says:

    @Jannik
    Schade. Ich hoffte, ich könnte als “der Klügere gibt nach” aus der Nummer rauskommen. Die Gelegenheit hast du mir jetzt genommen. ;-)

    @Sidan
    Natürlich gehe ich nicht davon aus, dass der Gegenspieler in einem Pokalfinale den Terminplan im Kopf hat, obwohl es sicherlich am Saisonende vor zwei Großereignissen nicht so schwer ist.
    Ich bin doch über eure Meinungen verwundert, in Anbetracht der Diskussion um Herrn Boateng. Wenn Frings Schweinsteiger anders erwischt hätte, dann hätte ich diesen Beitrag nicht schreiben müssen. Das hätten dann die Medien übernommen. Allerdings ohne die drei Bremer (und ich meinte auch nur diese Spieler) “Affen” zu nennen. Da stimme ich zu. Aber da ja alles noch mal gut gegangen ist, ist es natürlich alles nicht sooo schlimm. Schon klar. Und ich schreibe es noch einmal: Es stand schon 0:3! Und ein Wunder war weit und breit nicht in Sicht. Es ist und bleibt grob unsportlich.

  • -Zappi- Says:

    Der Final-Tippkaiser-Tipp:

    Tor: Olic
    Vorlage: Lahm
    Zeit: 1. Drittel
    Weißbierdusche: Schweinsteiger

    http://obachtzappi.wordpress.com/2010/05/19/triple-oder-tripper/

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