Eine Katastrophe 2.0 ist über die Bayern eingebrochen. Der versuchte PR-Gag über Facebook ging komplett in die Hose und zeigt leider, dass der FC Bayern oder die beauftragte Agentur keine Ahnung über die Gefühlslage der Bayern-Fans hat.
Wenn der FC Bayern einen Superstar als Neuzugang ankündigt, dann wollen die Bayern-Fans auch einen Superstar geliefert bekommen. Wir sind verwöhnt, was Transfers angeht. Der BVB vermeldet die Verpflichtung von Marco Reus, den auch wir gerne unter Vertrag genommen hätten. Eine Woche später startet man so eine bescheuerte Aktion. Dazu dieses Laienschauspiel von Nerlinger, Lahm und Hörwick. Der FC Bayern München benötigt keine PR-Aktion. Warum weiß man das eigentlich an der Säbener Straße nicht? Anders gesagt, ein Sieg gegen Wolfsburg bringt die Facebook-Seite der Bayern sicherlich weiter, als dieses digitale Desaster.
Sicherlich hätte man es schon ahnen können, wenn so eine Ankündigung ausschließlich über Facebook passieren soll, aber ich habe tatsächlich gedacht, dass es eine geniale Idee ist, wenn man einen echten Neuzugang nur über diese Plattform verbreitet. Die Bayern hätten einige Leser mehr, denn schließlich möchte man beim nächsten Mal wieder dabei sein, falls so was noch ein weiteres Mal vorkommen sollte. Aber einen Witz machen? Und es dann auch noch so verstanden wissen, dass man damit den Fans zeigen wollte, dass jeder der Neuzugang ist? Nein, lieber FC Bayern. So funktioniert das im Internet nicht und schon gar nicht mit Transferankündigungen. Die Suppe müsst ihr jetzt leider auslöffeln. Die Shit-Kommentare auf der Facebook-Seite lassen sich kaum noch zählen.
Ihr könnt die ganze Angelegenheit nur noch retten, wenn ihr kurzfristig einräumt, dass diese Aktion eine Katastrophe war oder wenn ihr im Laufe der nächsten Tage tatsächlich noch einen Transfer raushaut und die PK exakt gleich ablaufen lasst.
Gewonnen hat vielleicht trotzdem das Web 2.0. Zitate aus der Twitterwelt fanden dadurch sogar beim Bayerischen Rundfunk Beachtung. Mal sehen, vielleicht fliege ich auch morgen nach München und lasse mir mein Trikot mit der Nummer 8 aushändigen. Anschließend lasse ich mir erst mal das Trainingsgelände vom Uli zeigen. Wer hätte gedacht, dass mein Kindheitstraum so plötzlich wahr werden könnte?
Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.
Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.
Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig: Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.
Arjen Robben ist erneut verletzt und wurde bereits gestern an der Leiste operiert. Wenn man den letzten Schlagzeilen Glauben schenkt, war Arjen “Aleinikov” Robben nicht mehr Teil der Mannschaft und sowieso auf dem Absprung. Also ist diese Verletzung geradezu willkommen. Wir haben jetzt wieder mindestens 4 Wochen Ruhe und sind dann vielleicht schon Meister, Pokalsieger und haben die Champions League gewonnen, natürlich nur gefühlt. Aber “gefühlt” ist ja neuerdings wichtiger als die Tatsache an sich.
SPIEGEL: Man nannte Sie den Mann aus Glas, weil Sie so oft verletzt waren, in Spanien sollen Sie in zwei Jahren allein neun Muskelverletzungen erlitten haben. Hatten Sie in München bisher nur Glück?
Robben: Da haben die Zeitungen in Spanien mal wieder übertrieben. Aber es stimmt schon, ich war häufig verletzt, und es gibt einen Grund: Das ist mein Körper. Gut, manches war einfach Pech, ein Mittelfußbruch, die Knieverletzung. Aber die vielen Muskelverletzungen dürfen nicht sein, das ist mein Schwachpunkt. Ich denke, wir haben jetzt zusammen mit dem Teamarzt Doktor Müller-Wohlfahrt die Lösung gefunden: die richtige Behandlung durch die Physiotherapeuten.
SPIEGEL: Es heißt, Sie arbeiten mit einem Osteopathen aus Limburg zusammen, den Sie selbst bezahlen. Was macht der?
Robben: Er heißt Hub Westhovens, in Absprache mit dem Mannschaftsarzt und den Physiotherapeuten ziehe ich ihn alle drei, vier Wochen hinzu. Seine Spezialität ist es, alle Gelenke frei zu machen. Es dürfen keine Störungen im Körper sein. Wenn es im Rücken zum Beispiel eine Fehlstellung gibt, dann leidet die Muskulatur. Diese Behandlung ist sehr wichtig für mich. Aber ich kann machen, was ich will, der Ruf holt mich immer wieder ein. Sobald ich mal ein Spiel aussetzen muss, heißt es: Er ist wieder verletzt.
Diese Saison ist irgendwie alles bisschen früher als sonst, oder? Das Spiel gegen Hoffenheim hat doch jetzt wohl auch den letzten Zweifler überzeugt: Meister wird nur der FCB.
Klingt komisch nach einem 0:0 mit einer eher durchschnittlichen Leistung. Es gibt in jeder Saison doch mindestens einmal dieses berühmte “Wenn-Man-Das-Gewinnt-Wird-Man-Meister-Spiel”. Dieses unheimlich schlechte Spiel, dass aber den Meisterfavoriten dadurch ausmacht, dass es von dem späteren Titelträger gewonnen wird. So ist der Fußball, man kann eine ganze Reihe von qualitativ guten Spielen hinlegen, aber als sicherer Meister gehst du erst nach einem schlechten Spiel durch.
Wir konnten gegen Hoffenheim nicht gewinnen, aber wir konnten erneut ein Gegentor verhindern und nehmen unverdient einen Punkt mit nach München. Es war also ein “Wenn-Man-Das-Spiel-Nicht-Verliert-Wird-Man-Meister-Spiel”. Normalerweise, finden solche Spiele erst später in der Saison statt. Aber normalerweise hat man auch erst später in der Saison eine Tordifferenz von +20. Also hört auf euch zu wehren, diese Saison ist gelaufen.
Der Boulevard versucht gerade verzweifelt eine Robben-Krise zu erschaffen. “Robben kann nicht mehr lächeln”, “Robben hat nur noch auf dem Oktoberfest Spaß”. Die billigen Sportredaktionen (TV und Zeitung) schießen “gekonnt” in diese Richtung. Ich empfinde diese Schlagzeilen als Kompliment für den FC Bayern. Anscheinend reichen die Schlagzeilen um Brenos Hütte nicht aus, um genügend Unruhe zu erzeugen. Da muss dann doch wieder so jemand bekanntes wie Robben herhalten. Aber auch das wird diese Saison nicht funktionieren.
Kalle Rummenigge hat auch mal wieder einen rausgehauen. “Neuer sei die Steigerung von Titan”, ließ der ehemalige Bayern-Stürmer verkünden. Rummenigge tut gut daran, solche Äußerungen demnächst zu lassen. Das ist mal wieder hochgradig peinlich. Ich bin alles andere als ein Gegner von Neuer, aber seinen Rekord mit dem Rekord von Oliver Kahn zu vergleichen, ist wirklich eine Frechheit. Nur gut, dass Neuer es selber gut einschätzen kann und darauf nicht groß eingegangen ist. Warum haben eigentlich so viele Medienprofis damit Probleme, Aussagen und deren Aufnahme in den Gehirnen von Lesern und den damit verbundenen Reaktionen, richtig einzuschätzen?
Felix Magath winkt offenbar ein Rentenvertrag beim deutschen Fußball-Rekordmeister FC Bayern München. “Das ist unser Wunsch. Kontinuität hat uns in der Vergangenheit immer gut getan”, sagte Rummenigge. Der 52-Jährige sei “auf dem besten Weg nicht nur ein guter, sondern ein großer Trainer zu werden”, fügte Rummenigge hinzu.
Rummenigge über Felix Magath im November 2005 – Magath wurde 2007 entlassen (immerhin erst 2007)
„Ich äußere mich nicht zu Verhandlungen und Vertragsinhalten. Aber wir haben immer gesagt, dass wir über 2011 hinaus mit Louis van Gaal weiter machen wollen. Weil wir überzeugt sind, dass er der Richtige ist. Van Gaal hat uns eine Philosophie gebracht, die wir fortsetzen möchten.“
Nerlinger über Louis van Gaal im September 2010 – van Gaal wurde 2011 entlassen
“Er ist ein Glücksfall und der perfekte Trainer für den FC Bayern. Klar ist es vorstellbar, dass Heynckes länger bleibt. Wieso nicht?“, sagte Sportdirektor Christian Nerlinger dem Fachmagazin „kicker“.
Nerlinger über Jupp Heynckes im September 2011 – Heynckes wird im Mai 2012 entlassen Champions League Sieger
Immer wieder die gleichen Schlagzeilen. Kann man nicht einfach mal die Klappe halten und auf solche Fragen souveräner antworten? Der FC Bayern macht sich doch total lächerlich, immer wieder von Kontinuität und vom perfekten Trainer zu sprechen. Den perfekten Trainer gibt es nicht. Es gibt passende Trainer für einen bestimmten Zeitraum. Heynckes ist in der 2. Jahreshälfte 2011 der passende Trainer. Mal sehen, wie es 2012 aussieht.
Irgendwo habe ich die Ankündigung gelesen, dass Neuer am Montag bei Blickpunkt Sport im Bayerischen Fernsehen in Lederhosen auftritt. Zumindest habe ich es so verstanden. Tatsächlich war es ein Interview nach einem Foto-Shooting für einen Werbepartner des FCB. Dieses Shooting findet immer in Lederhosen statt. Es hätte mich auch schwer gewundert, wenn Neuer in Lederhosen im Studio gewesen wäre. Aber ein paar Zuschauer mehr, hatte der BR durch die Ankündigung vielleicht. Bravo.
Das Interview war leider auch an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Da wurde doch tatsächlich ein waschechter Bayer mit an den Tisch gesetzt, der Neuer auf bayrisch Fragen stellte. Was soll sowas? Ich habe als Preuße kein Wort verstanden. Neuer anscheinend schon, oder ihm wurde vorher erklärt, was die Fragen zu bedeuten hatten. Der Moderator Markus Othmer war dann auch noch so dreist und legte Manuel Neuer die Worte “Heimspiel auf Schalke” in den Mund, um ihn dann prompt darauf anzusprechen. Bravo, Herr Othmer. Ruhig noch bißchen Öl ins Feuer gießen, was? Schnell noch mal den Sender kontrolliert. Doch es ist das BR und nicht RTL 2.
Meine Kinnlade klappte komplett auf dem Wohnzimmertisch, als Othmer doch tatsächlich fragte, ob Neuer schon einmal “Zieht den Bayern die Lederhosen aus” gesungen hätte. Sagt mal, liebes BR, geht´s noch? Was sollte Neuer darauf antworten? Habt ihr die letzten Monaten in der Arktis verbracht? Kein Fingerspitzengefühl für die Situation. Und das als Haus- und Hofsender. Ganz, ganz schlimm.
Aber vielleicht haben auch unser Medienexperte Markus Hörwick und der FCB versagt?
Es ist schwierig einen guten Fußball-Film zu produzieren. Bis auf wenige Ausnahmen kann man sich die Werke einfach nicht lange anschauen. Hollywood zeigt uns bei dieser simplen Unterhaltung, dass man in den USA nicht den geringsten Plan vom Fußball hat. Gesehen wurde das Kunstwerk in der Komödie “Zufällig verheiratet” (Originaltitel “The Accidental Husband”). Aber immerhin redet man über den FC Bayern. Vielleicht hätte man einfach darauf hören sollen, dann würden Klose und Podolski evtl. heute noch in München erfolgreich auflaufen.
Ich habe an meinen eigenen Gedanken festgemacht, dass ich ein wenig vom Weg abkomme. Wahrscheinlich bin ich nicht der Einzige, der diesen Gedanken trägt. Welchen Gedanken? Der Gedanke, dass man sich Sorgen um das Spiel in Braunschweig macht.
Der Liga TOTAL! Cup brachte einige Bayernfans schwer ins grübeln. Haben wir uns verbessert? Sieht das Spiel nicht so aus, wie wir es von letzter Saison kennen? Natürlich kann man solche Testspiele über 60 Minuten nicht ernst nehmen, aber leichte Zweifel konnte man gerade über Twitter recht häufig lesen. Aber was sollte man auch sonst twittern?
Heute spielen wir gegen den AC Mailand. Ein anderes Kaliber, aber auch nur ein Testspiel. Vielleicht werden unseren leichten Sorgen heute etwas vertrieben. Für das heutige Spiel werde ich ein paar Tränen für Mark van Bommel bereit halten. Ansonsten ist mir das Ergebnis egal. Es ist nicht wichtig und darf kein Maßstab für Braunschweig sein.
Wir sind der FC Bayern. Ob mit oder ohne Ribéry, Braunschweig muss besiegt werden. Ob Braunschweig gut drauf ist, oder auch nicht. Sorgen machen ist verboten. Die letzte Saison hat uns vielleicht etwas “Mia san Mia” genommen. Das muss und wird sich wieder ändern.