Mai 21 2012

Wunsch erfüllt

Dumm gelaufen. Mein Minimalwunsch, dass wir wenigstens einen Treffer erzielen, damit man wenigstens 1x sieht wie München platzt, ist in Erfüllung gegangen. Nächste Mal werde ich mein Minimalziel etwas mehrwertiger ansetzen.

Dieser 19.Mai 2012 hatte einige Geschichten zu bieten. Gegen Mittag in München angekommen, knallt einem die Sonne entgegen. Nach der Sonne stechen die unfassbar vielen Bayern-Trikots ins Auge. Ich hatte keine Zeit um mich in der Innenstadt aufzuhalten, so konnte ich nicht überprüfen, ob auch die Geschäfte so rot waren, wie man es sich gewünscht hat. Die Menschen rund um den Hauptbahnhof waren es. Beim Aufbruch zum Olympiapark gegen 15h hat die Anzahl der offenkundigen Bayernfans weiter zugenommen. Ich habe so eine Stimmung bisher noch nicht erlebt und ich bereue die Reise aus diesen Gründen keineswegs. Bei diesem Ereignis muss man sich in der Stadt aufhalten, auch ohne Karte für die Arena.

Kein Gedanke an eine Niederlage wurde verschwendet. Heute passiert nur positives. Der Fußballgott kann nicht so ungerecht sein und etwas anderes zulassen. Kann nicht sein. Heute ist die Matrix rot-weiß.

Ich muss zugeben, dass ich vom Olympiapark wieder tiefst beeindruckt war. Das Wetter und die wunderbare Anlage schaffen eine Atmosphäre wie sie kein Stadion in Deutschland bieten kann. Einfach auf die Wiese legen und den Leuten beim Vorfeiern zusehen. Fantastisch. Auf der Wiese vor dem Olympischen Dorf waren auch einige Mädels im Bikini zu beobachten. Dies hatte natürlich die Folge, dass sich dort auch einige Männer sammelten und dem Stadion den Rücken zudrehten. Das dürfte wohl auch einmalig in Deutschland sein. Es ist wirklich beinahe eine Schande, dass dieses Stadion nicht mehr im Betrieb ist. Allerdings wissen wir auch alle, was es für ein Loch sein kann, wenn Wind und Regen durch München peitscht.

Negativ muss man leider die Organisation des Public Viewing bewerten. 4 Eingänge für ca. 60.000 Menschen finde ich schon etwas arg wenig. Wir waren zum Glück recht früh vor Ort und konnten dann von 18.30 bis 21 Uhr von der Haupttribüne zuschauen, wie die Menschen ins Stadion strömten. Ein immer gleichbleibender dicker Fluss von Menschen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie sich einige bei der Sonne gefühlt haben müssen, bis sie endlich am Ziel waren. Dazu kommen eindeutig zu wenig Bierstände und für den Innenraum gab es nur 2 Toilettenwagen, wenn ich es richtig gesehen habe. Wahnsinn.

Die Stimmung war trotzdem hervorragend und das Spiel der Bayern ließ auch keine negative Stimmung zu. Die Zahlen zum Spiel sind bekannt und die gefühlte Ungerechtigkeit bleibt haften wie das Trikot von Robben an seinem Leib. Beim 1:0 war ich mir siegessicher wie noch nie. Es sind nur noch wenige Minuten. Noch ein Finale verlieren wir nicht in den letzten Minuten. Beim 1:1 war ich mir dann sicher, dass es nicht gut ausgehen wird. OK, wenn dieses Tor jetzt noch fällt, dann soll es heute nicht sein. Außerdem war das Müller-Tor schon reingeeiert. Nie im Leben machen wir noch ein Tor aus dem Spiel heraus. Beim Elfmeter von Robben blieb die Sicherheit der Niederlage konstant. Ich habe weder beim Pfiff gejubelt, noch bin ich von meinem Sitz aufgestanden als Robben anlief. Der Elfmeter gegen Dortmund brennt nach, ging mir durch den Kopf. Ich habe sogar im kompletten Wahn die Leute beruhigt, die schon beim Pfiff gejubelt haben. “Wir haben noch nicht getroffen, wir haben noch nicht getroffen”, wiederholte ich mich und machte dabei beruhigende Gesten mit den Armen. Peng, gehalten. Alles setzt sich wieder hin, ich drücke mich noch tiefer in den Sitz. Überzeugt davon, dass wir dieses Elfmeterschießen nicht gewinnen, malte ich mir schon aus, wie undenkbar es ist, dass gleich Spieler in blauen Trikots den Pott in den Himmel heben. Der gehaltene Elfmeter von Neuer ließ mich wieder hoffen, beim Treffer von Neuer war ich mir dann wieder komplett siegessicher. So schnell können Emotionen die Gedanken wieder ändern. Heute ist also der absolute Neuer-Tag, dachte ich mir. Einige Reihen unter uns, hatte ein Fan ein übergroßes Plakat von Manuel Neuer dabei. Vor dem Spiel habe ich es noch gesehen und gedacht, dass es vielleicht ein Zeichen ist. Man denkt ja viel dummes Zeug, wenn man das größte Ereignis der Vereinsgeschichte herbeisehnt. Olic läuft an. Gehalten. Schweinsteiger läuft an. Gehalten. Drogba läuft an und ich bete die Worte “mach dich lang, mach dich so groß wie gegen Madrid” in meine Faust. “Schluss!” Ich glaube, dass sagte Marcel Reif, als der Ball im Netz zappelte. Schon im nächsten Augenblick teilt sich die Menschenmasse im Innenraum nach links und rechts und geht den Ausgängen entgegen. Eine komplett unwirkliche Szene. Wie ein Schwarm Vögel, der plötzlich die Richtung wechselt. Das kann doch nicht sein. Wir wollten doch hier alle gleich eine Riesenparty feiern. Jetzt gehen alle schweigend einfach weg?! Diese Szene hat sich eingebrannt. Im Hintergrund ein paar dutzend Briten die auf der Gegengerade feiern. Ihr seid doch nur so wenige. Wir wollten feiern. Wir sind mehr und wollten es doch auch viel mehr. Was soll das?

Und dann ist es tatsächlich soweit: Spieler in blauen Trikots nehmen unseren Pokal entgegen und feiern in unserem Stadion, in unserer Stadt. Es ist Zeit zu gehen. Aber mein Minimalwunsch ging in Erfüllung. Das Gefühl in den wenigen Minuten der Führung war atemberaubend. Hätte es länger angehalten, wäre es ungesund gewesen.

Irgendwann gewinnen wir den Pokal wieder. Nicht in München, aber schön wird es trotzdem.


Mai 18 2012

Das vielleicht größte Spiel

Wir sind noch eine Nacht vom Spiel das Jahrzehnts entfernt. Möglicherweise wird es auch ein noch größeres Spiel. Hängt vielleicht auch etwas vom Ergebnis ab. Aber Fakt ist, wahrscheinlich werden wir nie wieder erleben, dass unser FC Bayern ein Champions League Finale in der eigenen Stadt spielen wird.

Aufregung gehört zu jedem Finale der Chamions League mit Beteiligung des eigenen Vereins, aber was dieses Jahr in den Herzen und Köpfen der Bayern-Fans los ist, kann man kaum noch beschreiben. Montag war noch das Pokalfinale allgegenwärtig. Neben der Action in Düsseldorf gab es danach nur noch ein Thema: Unser Champions League Finale dahoam! Es gab und gibt einige gute Aktion in München. Zum Beispiel wurden an 50 Brücken in München rot-weiße Banner aufgehangen. Der FC Bayern und der Club Nr. 12 hat alle Münchner aufgefort, sich am Samstag in Rot und Weiß zu kleiden. Darüber hinaus sollen alle Geschäfte und Häuser in den Vereinsfarben geschmückt werden. Ich bin gespannt, wie die Aktionen umgesetzt werden. Auch der Song der Band Room77 trägt zur guten Stimmung einiges dabei. Ist zurzeit bei mir Dauerbrenner im Auto.

Außerdem bin ich gespannt wie viele Bayern-Fans dann tatsächlich in der Arena sein werden. Rein theoretisch wurden an beide Vereine 17.500 Karten vergeben. Sicherlich gab es bei der UEFA einige Bestellungen mehr aus Deutschland als übllich. Und die gut betuchten Münchner haben sicher bei ebay auch das eine oder andere Mal zugeschlagen. Auf jeden Fall werden ca. 90.000 Bayern-Fans im Oympiastadion und auf der Theresienwiese sein und dort für Stadionatmosphäre sorgen. Ich freue mich auf das Olympiastadion. Zuletzt war ich bei der letzten Meisterfeier 2005 und dem Abschied vom Zeltdach vor Ort. Das ich dort mal ein Champions League Finale virtuell verfolgen werde, hätte ich mir auch nie träumen lassen. Das Wetter soll sich auch von einer guten Seite zeigen, so dass man das Olympiastadion auch genießen kann. Bei miesen Wetter war es dort ja kaum auszuhalten.

Ich kann nur noch eins tun. Zum Tippkaiser aufrufen und schauen ob wir nicht dieses Mal die 30-Tipper-Grenze knacken. Bei wichtigen Spielen waren über 20 Tipper ja schon fast Standard. Da sollten doch beim vielleicht größten Spiel 30 Tipper kein Problem sein.

Der Spruch ist abgedroschen aber nie war er so treffend: Der 19. Mai 2012 ist ein guter Tag um Geschichte zu schreiben! Pack ma´s!

Macht auch wieder mit beim “Tippkaiser”. Einfach per Kommentar Torschützen, Vorlagengeber und Zeitpunkt des ersten Bayern-Tores anhand von Dritteln bestimmen.


Mai 14 2012

Auf Schweinsteigers Welle

Heute blicke ich mal wieder durch meine dickglasige Bayern-Brille. Die anscheind eine ähnliche Dioptrin wie die Brille von Bastian Schweinsteiger aufweist.

Dieses 5:2 ist ein absolutes Kackergebnis. Für das Spiel an sich sowieso, aber auch für die Woche und das bevorstehende Finale der Champions League. Meiner Meinung nach, was das Spiel aber bei weitem nicht so schlecht. Wir reden hier über folgende 5 Tore:

  • zweimalige Vorlage von Gustavo zum 1:0
  • Elfmeter
  • Schuss von Lewandowski mittig auf Neuer
  • Schweinsteiger-Tunnel auf einen einsamen Lewandowski
  • Vorlage von Neuer + blinde Flanke auf Lewandowski

Ich weiß, alle Tore im Fußball entstehen durch Fehler der anderen Mannschaft. Aber diese Fehler waren eklatant, bzw. die Tore waren wirklich glücklich. Und wer hat nach dem 1:1 nicht gedacht, dass die Bayern jetzt näher an der Führung sind? Ich kann mich an keine gute Dortmunder Chance erinnern, die nicht im Netz landete. Damit will ich nicht sagen, dass wir solche Chancen viel öfter hatten, aber dies soll zeigen, dass das Ergebnis das Spiel absolut nicht wiederspiegelt. Natürlich hat die Borussia zurecht gewonnen, dass will ich der Truppe nicht absprechen. Aber auseinandergenommen haben sie uns nicht. Dafür waren alleine wir verantwortlich. Das hat nichts mit einer schwarz-gelben Übermacht zu tun. Die Fußball-Matrix war anscheinend nicht auf einen Sieg der Bayern ausgelegt. Nicht mehr und nicht weniger. Alles lief gegen uns.

Jetzt mal ehrlich, wenn die Mehrheit der Fans (mich eingeschlossen) schon gedanklich beim Finale gegen Chelsea ist, warum sollte es dann bei den Spielern anders sein? Sicherlich sind es Profis die einen Job zu erledigen haben, aber trotzdem sind es noch Menschen mit einem übergroßen Ziel. Ich rede nicht davon, dass man absichtlich nur 50% gibt, das macht sicherlich keiner. Aber im Hinterkopf wird es immer rumgespukt sein, da bin ich mir sicher. Wenn nicht im Spiel, dann aber in der Vorbereitung. Vielleicht waren auch die für das CL-Finale gesperrten Spieler übermotiviert. Vielleicht, vielleicht, vielleicht.

Jetzt haben wir aber dieses 5:2 als Fakt auf dem Papier stehen und die Mannschaft muss zusehen, dass sie es schnell abschüttelt und aus dem Kopf bekommt. Sicherlich wäre aber eine knappe Niederlage etwas angenehmer zu verdauen gewesen. Jetzt wird in jedem verdammten Interview dieses Ergebnis zum Dauerthema. Das Pokalfinale hat also doch Auswirkung auf das Finale dahoam. Meine Befürchtungen sind eingetreten.


Mai 7 2012

Tausche Public Viewing Tickets gegen Arena-Tickets

Natürlich denkt sich jetzt jeder, was dieser Schwachsinn denn bloß soll. Ich meine das aber völlig ernst. Das Public Viewing hat gegenüber dem Live-Spiel viele Vorteile, die ich euch gerne hier aufzählen möchte. Ich bin ein guter Mensch, und würde deshalb meine Tickets fürs Olympiastadion eintauschen.

  •  im Olympiastadion wird sich eher die Unterstufe der Gesellschaft versammeln. Schließlich gab es die Tickets schon für 5 Euro. Euch erwartet also kein Opernpublikum, sondern lautstarker Gesang und wildes Geschrei. Oder meint ihr, dass Leute die für 2000 Euro Tickets bei ebay kaufen, eine Fan-Gesangsstimme haben?

 

  •  im Olympiastadion habt ihr eine wunderbare Parkanlage mit See und allem was dazu gehört. Wenn das Wetter mitspielt, könnt ihr euch den ganzen Tag dort aufhalten und auch noch das Fan-Programm der UEFA nutzen. Vor der Arena könnt ihr lediglich Kieselsteinweitwerfen veranstalten und das 156. Foto von der Außenhülle machen.

 

  •  im Olympiastadion könnt ihr euch die Vorberichte vom Premiumsender Sky anschauen. Topqualität mit Marcel Reif & Co. Das Vorprogramm in der Arena wird unendlich langweilig und wollt ihr wirklich zuschauen wie Robben, Drogba & Co. sich warmlaufen? Linkes Bein hoch, rechtes Bein hoch. Mehr passiert in der Regel nicht.

 

  •  im Olympiastadion könnt ihr euch während des Spiels Wiederholungen ansehen. Ihr wisst schneller als jeder Zuschauer in der Arena, ob Gómez wirklich zum 33. Mal im Abseits stand. Nur so kann man sich beim Fußball richtig ärgern. Und das wollen wir doch alle.

 

  •  im Olympiastadion könnt ihr euch Nachberichte anschauen und in Zeitlupe erkennen, wie Robben den Franz umarmt. In der Arena seht ihr alles nur einmal und ihr bekommt nur ca. 15% vom tatsächlichen Geschehen mit.

 

  •  im Olympiapark müsst ihr nicht mehrere Stunden im Parkhaus verbringen. Ihr seid schneller auf der Leopoldstraße um den Sieg der Bayern standesgemäß zu feiern. Wenn ihr aus dem Parkhaus an der Arena raus seid, ist die Party gelaufen.

Also bitte, ich bin für jeden Tausch offen. Ganz nebenbei könnt ihr auch noch Geld sparen. Die Tickets werden natürlich miteinander verrechnet.

Nur Mut, meldet euch.


Mai 24 2010

Finale Meinung

Champions League Finale 2009/2010
FC Bayern München – Inter Mailand 0:2

Meine persönlichen Termine, in den letzten beiden Wochen, hätten blöder nicht fallen können. Letzte Woche beim Pokalfinale auf einem Junggesellenabschied, diese Woche beim Champions League Finale ebenfalls. Ich betone hier aber ausdrücklich, dass man auch für Finalspiele nicht solche Abende mit seinen besten Kumpels sausen lassen darf.

Wobei der letzte Samstag vor Monaten von mir selber vorgeschlagen wurde. Ich hielt diesen Termin für eine gute Idee, da der Bräutigam dann auf jeden Fall an diesem Abend Zeit hat. Schließlich ist ja Champions League Finale. Nicht einer der anwesenden Bayern-Fans sprach auch nur den leisen Verdacht aus, dass möglicherweise der eigene Verein in genau diesem Finale stehen könnte. Murphys Gesetz. Also wurde das Finale in den Abend eingebaut und im Duisburger Innenhafen auf einer Großleinwand im Mississippi verfolgt. Es gibt wahrscheinlich bessere Orte für so einen Event, aber das kann man leider vorher nicht wissen, wenn man immer nur in den eigenen vier Wänden die Spiele verfolgt. Soviel zum Rahmen meiner persönlichen Live-Übertragung.

Das Spiel sehe ich natürlich wieder mal anders. Mir fällt es schwer, der Meinung fast aller gleichgesinnt zu sein. Inter hat also verdient gewonnen. So höre ich es aus allen Ecken und von allen Experten. Nur gut, dass ich kein Experte bin und in diesem Blog darauf keine Rücksicht nehmen muss.

Fangen wir doch mal mit dem wesentlichen an: Die beiden Tore der Italiener (oh, stand ja zunächst gar keiner auf dem Platz) entsprangen der Marke „Saublöde Bayern“. Das erste Tor resultierte aus einem Abschlag und einem Kopfballduell. Das zweite Tor wurde durch einen einzigen Haken möglich. Diese Tore waren weder genial, noch sonderlich gut herausgespielt. Man könnte auch sagen, dass es sich dabei um Zufallsprodukte gehandelt hat.

Ich kenne nicht die genauen Zahlen der Ballbesitzverteilung, ich werde sie auch nicht recherchieren. Es ist bekannt, dass die Zahlen eklatant für uns gesprochen haben. Mich erinnerte das Ganze an Spiele wie gegen Frankfurt vorletzte Saison, oder gegen Köln diese Saison. Den Mannschaften, die gegen uns gemauert und Punkte geholt haben, werden geradezu glänzende Noten in der Nachberichterstattung ausgesprochen. Ich kann sowas nicht nachvollziehen. In einem Spiel, in dem es darum geht, dass der Ball aus der eigenen Hälfte ins gegenüberliegende Tor untergebracht werden soll, wird also das genaue Gegenteil für gut befunden. Interessant. Man stelle sich mal vor, alle Mannschaften würden so agieren. Gute Nacht, Fußball!

Ich habe es beispielsweise bei Frankfurt und Köln damit entschuldigt, dass man wohl auch die finanzielle Situation ungewollt (oder auch gewollt) mit in die Benotung einfließen lässt. Die Bayern haben 70 Millionen investiert, also sollen sie gefälligst auch eine Möglichkeit finden, so eine Abwehr zu knacken. Das kann ich wohl bei einem Spiel gegen Inter Mailand außer Acht lassen.

Ich will nicht den Moralapostel für schönen Fußball raushängen lassen, aber die Spielweise von Inter ist so ansehnlich wie die Socke eines deutschen Mallorca-Touristen in einer Sandale. Lieber gehe ich 90 Minuten in einem schwedischen Möbelhaus nebst Partnerin einkaufen, als mir freiwillig noch mal ein Spiel von Inter bzw. Herrn Mourinho anzuschauen. Die Halbfinals und das Finale haben für die nächsten 120 Jahre gereicht.

Als ich genau diese Meinung bei so mancher Diskussion geäußert habe, wurde doch glatt behauptet, dass der FC Bayern seine Spiele früher so immer gewonnen hätte. In dem Augenblick habe ich dann die Diskussion zumeist beendet. Bitte legt mir Daten vor, in dem wir mit geringerem Ballbesitz, Spiele gewonnen haben. Die Behauptung ist geradezu lächerlich.

Bayern-Brille-Modus aus!

Gut, ich will jetzt nicht weiter auf dumme Statistiken wie Ballbesitz rumreiten. Es gibt nur die eine wahre Statistik: Tore. Inter hat zwei erzielt und lt. Statistik damit das Spiel gewonnen.

Herzlichen Glückwunsch!

Schön, dass eure Liga auch weiterhin 4 Teilnehmer ins Champions League Rennen schickt.

Ironie-Modus jetzt bitte auch aus!

Meine bisherige Fan-Bilanz was Champions League bzw. Europapokal der Landesmeister Finalspiele angeht, ist recht dürftig. Von vier Finalspielen von 1987 bis 2010 konnte lediglich ein Spiel gewonnen werden. Man könnte sich fast daran gewöhnen. Hoffentlich wird meine persönliche Bilanz irgendwann mal positiv.

Zum ersten Mal wurde kein Tor von uns erzielt, seitdem ich den Tippkaiser ins Leben gerufen habe. So kann sich Florian E. bis in die neue Saison über den Platz an der Sonne in meinem Blog freuen.


Mai 21 2010

Die 10: Der Tagesablauf am 22.05.2010

Ich kann nicht mehr, ich will auch nicht mehr. Diese Saison soll endlich zu Ende gehen. Jeden Tag diese Schlagzeilen. Stündlich Neuigkeiten vom Reiseweg der Bayern. Gott, lass es ein Ende haben. Noch einmal schlafen. Noch einmal alles geben. Noch einmal einen Pott in den Himmel stemmen. Macht Madrid zum spanischen Berlin und lasst Ribéry einen Tag danach mit Blut seinen neuen Vertrag unterschreiben.
Auf geht’s. Hier kommen „Die 10:“! Zum letzten Mal in dieser Saison und überhaupt in diesem Blog. Manches hat einfach ausgedient….

  • morgens: Das Team wird von van Gaal per Megafon früh geweckt mit: „Wer fängt den Wurm?“
  • morgens: Louis van Gaal zeigt dem Team „Rocky V“. Schüler verliert gegen Lehrer.
  • mittags: Es gibt Mailänder Schnitzel, als Nachtisch Florentiner Kekse, serviert auf einem Turiner GrabTischtuch.
  • mittags: Das Team macht einen Spaziergang zum Gelände von Real. Exkurs: Negatives Fallbeispiel.
  • nachmittags: Rummenigge übersetzt für die Mailänder den Begriff „bestia negra“.
  • nachmittags: Louis van Gaal zeigt dem Team im Mannschaftsbus „Star Wars 3“. Schüler verliert gegen Lehrer.
  • abends: Anpfiff! Mailänder Fans sind an diesem Maitag den Bayern Meilenweit unterlegen. Ja mei!
  • abends: Lucio fälscht den Ball unglücklich ins eigene Tor ab. „bwin“ geht pleite.
  • nachts: Mourinho umarmt van Gaal. Schüler hat soeben gegen Lehrer verloren.
  • nachts: In Madrid geht eine Großfahndung nach einer „celebración bestia“ raus. Vorsicht! Es ist extrem gut gelaunt.

Macht auch wieder mit beim “Tippkaiser”. Einfach per Kommentar Torschützen, Vorlagengeber und Zeitpunkt des ersten Bayern-Tores anhand von Dritteln bestimmen.


Mai 17 2010

Nach dem Titel ist vor dem Triple

Wie aus einem Guss. So könnte man das Spiel des FC Bayern bezeichnen, dass sie gegen Werder Bremen zeigten.

Mein Tag war dagegen viel komplizierter. Ich habe es schon vorab in dem einen oder anderen Tweet mitgeteilt, ich konnte mir das Spiel nicht so richtig anschauen, da ich auf einem sehr amüsanten Junggesellenabschied verweilen durfte.

Nils, wenn du das hier liest, es war ein echt lustiger Abend. Mein “Kater” sprach Bände. Es hat sich gelohnt auf die Final-Karten zu verzichten. Außerdem habe ich mit den Karten meinem Kumpel Michael eine Freude machen können. So wie er mir berichtete, war es die beste Stimmung, die er bisher bei einem Bayern-Spiel erlebt hat. Irgendwann werde ich das auch mal erleben. Meine Zeit kommt noch. :-)

So ergab es sich, dass ich die erste Halbzeit, in Köln am Rhein, per Internet-Radio über mein iPhone verfolgen musste. Gerade im entscheidenden Augenblick des Elfmeters, rief mein Kumpel Michael an, um mir eine Live-Berichterstattung des Elfmeters zu bieten. Hektik bricht aus, die Internet-Radio-Verbindung bricht ab, ich drücke ihn versehentlich weg…schweigen. Die versammelte Mannschaft guckt sich verdutzt an und fragt: „Wat is denn nu mit dem Elfmeter?“ Eine Verbindung zum Internet-Radio ließ sich nicht mehr herstellen. Nach einigen Minuten der erlösende Anruf. Robben, der gute Arjen Robben hat sicher verwandelt. Ich schreie meine Freude über den Rhein. Dabei fühlte ich mich ein wenig wie Jürgen Klinsmann am Tag seiner Entlassung. Einsam. Naja, mal was anderes.

Zur zweiten Halbzeit war endlich eine Kneipe mit Live-Übertragung gefunden. Natürlich konnte das 2:0 für uns nur fallen, wenn ich mal eben die Toilette aufsuche. Großspurig habe ich noch verlauten lassen, dass ich es mir bisher verkneifen konnte. Tja, dafür dauerte das erste Mal dann solange, dass mir das zweite Tor leider auch verwehrt blieb. Egal. Hauptsache der Pott ist gleich in unseren Händen. Unsere gutgelaunte Truppe ließ sich vom guten Spiel der Bayern anstecken und schmiss immer mal wieder ein „Wer hat die beste Abwehr? Der FC Bayern!“ in die Runde. Das dritte und vierte Tor der Bayern habe ich dann endlich mal live mitbekommen. Und wieder war mein Jubel der Lauteste in unmittelbarer Nähe. Wieder das Gefühl der Einsamkeit in einer Großstadt. Als ich nach dem vierten Tor ein „nur noch 6, nur noch 6“ anstimmte, flüsterte mir der Kellner ermahnend ins Ohr, dass es jetzt „gut“ wäre. Ob er die Bayern damit meinte, oder meinen einsamen Jubel, kann ich nicht sagen. Den restlichen Abend stand wieder der Bräutigam im Mittelpunkt. Und das war auch gut so.

Als ich mir dann aber am nächsten Tag die Wiederholung des Spiels anschaute, habe ich doch tatsächlich noch Gift und Galle gespuckt. Drei Spieler brachten mich zur Weißglut.

Clemens „Ich trete dir in die Eier“ Fritz,
Tim „Ich würge dich zu Tode“ Borowski und
Torsten „Ich breche dir beide Stäbe“ Frings.

Bei einem Spiel, in dem Hopfen und Malz verloren ist, so reinzugehen, dass man mutwillig eine Verletzung von Spielern, die noch ein Champions League Finale und eine WM spielen müssen, in Kauf nimmt, ist absolut armselig. Wir können froh sein, dass Ribéry, Müller und Schweinsteiger bei diesen Szenen so ruhig geblieben sind. Und den drei Bremern möchte ich einfach nur sagen: „0:4 in your face! Und jetzt fahrt in den Urlaub und geht mir aus den Augen, ihr Affen!“ Gott sei Dank, spielt keiner von den Chaoten bei der WM mit. Was bei solchen Aktionen passieren kann, sehen wir jetzt wunderbar an dem Beispiel von Michael Ballack. Glückwünsche hätte ich von den Typen nach dem Spiel nicht angenommen.

Vielen Dank, FC Bayern München. Es war ein großes Spiel und dadurch auch ein traumhaftes Finale. Ich bin schon immer ein stolzer Fan dieses Vereins gewesen, aber was ihr diese Saison leistet, ist der absolute Wahnsinn. Ein Sieg gegen Inter Mailand ist für mich keine Pflicht. Ich bin auch so zu 100% zufrieden und freue mich einfach auf einen schönen Saisonabschluss.

Den aktuellen Tippkaiser konnte niemand ablösen. Eine Chance gibt es in dieser Saison noch.


Mai 14 2010

Die 10: Rund ums Finale

Ich gebe es zu, mir geht langsam die Puste aus. Aber was soll ich machen? Gerade erst habe ich von Ritualen berichtet und schon habe ich ein neues für mich gefunden. Vor allen K.O.-Spielen – seitdem ich den Blog betreibe – gab es „Die 10:“ Es wäre fatal aufgrund von geistlicher Schwäche dieses Ritual bis zum Triple nicht fortzuführen. Nur zwei Dinge können diese Serie stoppen: Wir verlieren das Pokal-Finale oder wir gewinnen das Triple…..

  1. meteorologisches: Zu wenig Sonne für Tim Wiese.
  2. überraschendes: Ein Schaaf wird im Tiergarten festgehalten.
  3. länderspezifisches: Aaron Hunt hat britisches Blut -> Elfmeterschießen.
  4. geschichtliches: 1999 war die Reihenfolge falsch. Silber/Silber/Gold hat keinen Stil. Silber/Gold/Silber ist harmonisch.
  5. persönliches: van Bommel tätowiert Frings ein paar Stollen.
  6. sinnliches: Badstuber wiegt Marin in den Schlaf.
  7. alternatives: SV gescheiterte Wahlmünchner Bremen – FC Bayern München
  8. artistisches: Salti stehen morgen hoch im Kurs.
  9. kulinarisches: In Berlin steht man eher auf Döner, als auf Piza.
  10. dämonisches: Gegen ein Feierbiest hilft nur feuervergoldetes Sterlingsilber.

Macht auch wieder mit beim “Tippkaiser”. Einfach per Kommentar Torschützen, Vorlagengeber und Zeitpunkt des ersten Bayern-Tores anhand von Dritteln bestimmen.