Okt 1 2012

40 Millionen für 3 Spieler

Die Chefetage des FC Bayern hat mal wieder alles richtig gemacht. Die 40 Millionen für Javi Martínez wurden letztendlich für 3 Spieler ausgegeben. Wir erleben Bastian Schweinsteiger und auch Luiz Gustavo in blendender Verfassung. Womöglich angetrieben durch den Mann aus Bilbao.

Durch die vielen Verletzungen von Schweinsteiger und den zu kurzen Ruhephasen, hat es bis zur neuen Saison gedauert, bis er wieder so fit wurde wie er jetzt ist. Gustavo ist als Balleroberer bekannt, dass er aber auch offensiv Akzente setzen kann, war bisher weniger bekannt. Zu oft hat man in den letzten beiden Jahren darauf gewartet, dass er auch in Richtung gegnerisches Tor gut aussehen kann. Jetzt stehen schon 2 Tore für Gustavo und 3 Tore für Schweinsteiger auf dem Zettel der neuen Saison.

Man kann jetzt vermuten, dass wenigstens Gustavo durch die Verpflichtung von Martínez derart angetrieben wird, dass er momentan eigentlich kaum aus der Mannschaft wegzudenken ist. Was wiederum bedeuten würde, dass er zuvor nicht motiviert genug war um die aktuellen Leistungen erbringen zu können. So etwas ist kaum vorstellbar, zumindest auf dem ersten Blick. Ich kann mir aber vorstellen, dass im Unterbewusstsein eines Spielers ein nicht zu steuernder Film abläuft. Gustavo wird nicht daran vorbeigekommen sein, über seinen Vertrag nachzudenken. Einen 40 Millionen-Mann setzt man nicht dauerhaft auf die Bank und Schweinsteiger ist eine Institution. So wird es dem Brasilianer durch den Kopf gegangen sein. Das Ergebnis können wir zurzeit auf dem Platz bewundern. Die 40 Millionen machen sich im Augenblick absolut bezahlt.

Matthias Sammer hat sich analytisch zum Spiel gegen Bremen geäußert. Nicht mehr und nicht weniger. Dass dabei rausgekommen ist, dass man phasenweise nicht gut genug gespielt hat, ist nur folgerichtig und hat nichts mit Meckerei zu tun. Bremen war zwar zu keinem Zeitpunkt richtig gefährlich oder gar besser, aber zwischendurch haben wir unsere Überlegenheit nicht durch Torchancen zeigen können. Erinnerungen an längst vergessene schlechtere Zeiten wurden wach. Allerdings muss man auch sagen, dass ab der 70. Minute der Druck immer größer wurde und das Tor durch Gustavo keine Minute zu spät kam. Das Spiel wurde auch in der Höhe absolut verdient gewonnen.

Für das Spiel gegen Borisov erwarte ich mal wieder Shaqiri in der Startelf. Gegen Bremen hat der Schweizer neue Energie in unser Spiel gebracht. Seine so herrlich gefährlichen Schüsse aus der zweiten Reihe sind eine wahre Wonne. Durch den Ausfall von Robben wäre auch wieder Platz im Team. Also bitte, Herr Heynckes.


Sep 3 2012

Vergebene Chancen

Eine Überschrift mit ganz viel Bedeutung. Wenn wir doch mal ehrlich sind, haben wir am Sonntag ganz schön viel Glück gehabt. Nicht nur, dass es uns der VfB ganz leicht gemacht hat (zumindest phasenweise), nein, sie haben uns die Bälle regelrecht in den Lauf gespielt. Wir haben diese Chancen nicht eiskalt ausgenutzt.

Die Hälfte der 6 Tore wurden erst im Nachsetzen erzielt. Sicherlich auch eine Qualität die man erst mal an den Tag legen muss, aber trotzdem möchte ich es nicht unerwähnt lassen. Diese Dinger hätte man auch mal gerne direkt einnetzen können. Ja, ich schreibe hier über ein absolutes Luxusproblem. Ich bin mir dessen bewusst. Aber mir sitzt noch die Angst von letzter Saison im Nacken, wo wir jede Woche gute Chancen reihenweise vergeben haben. Aber bis jetzt ist ja alles anders. Wir nutzen unsere Gelegenheiten und legen sogar noch nach. Wobei die letzten 30 Minuten gänzlich ohne Tor auskommen mussten. Aber der VfB hatte sich auch wieder etwas gefangen.

Ich möchte auch daran erinnern, dass wir letzte Saison ähnlich furios gestartet sind. Wie viele Wochen waren wir ohne Gegentor (oder sogar ohne gegnerischen Torschuss)? Lange! Trotz der Euphoriebremse sollten wir uns an diesem wunderbaren Tabellenplatz erfreuen. Für andere ist Platz 1 nach zwei Spieltagen nicht der Rede wert. Aber das sind dann in der Regel die Vereine, die am Ende auch nicht oben stehen werden. Bei uns soll es anders aussehen. Ich bin für einen Start-Ziel-Sieg, wir sollten ab sofort diesen Platz bis zum Ende verteidigen.

Schon erstaunlich, dass pünktlich zum Erscheinen der Lichtgestalt Martínez auch Gustavo das Tor trifft. Gutstavo soll sicherlich nicht ständig für Torgefahr sorgen, aber man hat letzte Saison schon so manchen schönen Pass in die Spitze vermisst. Gestern hat er es einfach direkt selber gemacht. Ob ihm das vor der Bank schützen wird, kann durchaus bezweifelt werden. 40 Millionen wird die Ersatzbank des FC Bayern nicht tragen können. Zumindest nicht auf nur einen Popo verteilt.

Als Martínez gestern eingwechselt wurde und anfing die Bälle im Zentrum zu verteilen, hatte ich doch tatsächlich einen Anflug von Ernüchterung. Mein Gott, da trabt jetzt ein 40 millionenschwerer Spanier rum, der nichts anderes zu tun hat, als ein paar Bälle zu verteilen und alle paar Minuten vielleicht mal einen Ball zu gewinnen. So, oder so ähnlich ging es mir durch den Kopf. Und nach 3 Minuten habe ich mich erwischt, wie ich permanent Javier beobachtet habe. Ich habe nicht mehr auf den Ball geachtet. Solange die Totale zu sehen war, suchte ich Martínez. Ich wollte wissen wie er sich bewegt, was er als nächstes tut. Ich befürchte, dass diese immense Summe doch noch so einige Probleme bereiten wird. Wenn sogar schon ich die Lupe raushole um mich an einen Mann zu laben, der gar nicht so viele Bälle gewinnen kann, wie man es ihm wünscht. Als dann auch noch ein langer Pass im Aus landete, verspürte ich einen leichten stechenden Schmerz in der Brustgegend. Darf ein so leichter Pass einen so teuren Spieler misslingen? Ja, darf er. Er ist auch nur ein Mensch und nicht 40 mal besser als ein Spieler mit einem Marktwert von nur einer Million. Aber das muss ganz schnell rein in meinen Kopf. Möge es mir schnell gelingen.


Aug 31 2012

Der erste (spanische) Baske

Als Martínez, Heynckes und Sammer die Bühne der PK verließen, war man um einiges schlauer. Erneut wurde betont, dass es ein blindes Verständnis zwischen Trainer und Sportvorstand gibt und außerdem wurde der junge Spanier als erster Baske vorgestellt.

Wir sind nett und halten Heynckes einfach zu Gute, dass er den ersten spanischen Basken meinte. Lizarazu ist bekanntlich Franzose und somit ist der Fauxpas nicht mehr ganz so wild. Leider wirkte Heynckes zu diesem kleinen Fehltritt etwas nervös und aufgeregt. Man bekam beim Zusehen beinahe Herzschmerz und hoffte, dass insbesondere die Eröffnungsrede schnell zu Ende geht. So fahrig habe ich ihn lange nicht mehr gesehen. Vermutlich lag es auch daran, dass ihm dieser Transfer, bzw. dieser Mensch Martínez viel bedeutet. Jupp ist ja inzwischen ein halber Spanier und seine Rede von den stolzen Basken brachte er schließlich unaufgefordert zum Besten. Er war schlichtweg emotional.

Javier hat diese PK recht souverän über die Bühne gebracht. Vom einstudierten deutschen Begrüßungssatz bis zum selbstverständlich angesprochenen Oktoberfest, konnte er alles meistern. Er sah wesentlich frischer und ausgeruhter als in den Tagen zuvor aus. Vielleicht durch die Bayern-Brille verstärkt, mochte ich den langen Kerl auf Anhieb. Das Trikot mit der Nummer 8 habe ich dann heute bestellt. Die Kohle muss schließlich wieder reinkommen.

Matthias Sammer konnte mal wieder bei mir punkten. Er hatte alles im Griff, konnte jede Frage klipp und klar beantworten und erklärte auch einiges außerhalb der Fragestellungen der versammelten Presse. Er war der bestimmende Faktor bei dieser Pressekonferenz. Das ist jetzt nicht negativ gegenüber Heynckes gemeint. Jupp ist Trainer, Sammer gehört zum Vorstand. Sein Job sind solche Pressekonferenzen. Er hat es gut gemacht. Man hat Stimmen von Hoeneß und Rummenigge nicht vermisst. Ich zumindest nicht.

Ganz nebenbei wurde gestern auch die Gruppenphase der Champions League ausgelost. Wir haben mit Valencia, Lille und Baryssau eine machbare Gruppe erwischt. Ich möchte nicht von einer leichten Gruppe sprechen, da man zumindest die Spanier und Franzosen niemals unterschätzen sollte, aber sicherlich müssen wir diese Gruppe dominieren, da will ich mich nicht rausreden. Die Weißrussen kenne ich zu wenig.

Sonntag geht es zum sogenannten Südschlager gegen den VfB Stuttgart. Die Stuttgarter haben ihr erstes Spiel unglücklich verloren und werden sicherlich was dagegen haben, dass sie nach zwei Spieltagen ohne Punkte dastehen. Ich bin gespannt, ob sie dafür auch was tun werden, oder sich auch nur hinter der Mittellinie verschanzen. Warten wir es ab. Ich hoffe, dass Martínez an seinem 24. Geburtstag eingewechselt wird und ihm die Südkurve ein kleines Ständchen liefert. Das wäre doch ein Einstand.

Macht auch wieder mit beim “Tippkaiser”. Einfach per Kommentar Torschützen, Vorlagengeber und Zeitpunkt des ersten Bayern-Tores anhand von Dritteln bestimmen.


Aug 29 2012

Habemus Fußballspieler

Er ist da. Das größte Hickhack der deutschen Transfergeschichte hat ein Ende. Mitten in der Nacht war Javi Martínez bei der sportärztlichen Untersuchung bei Dr. Müller-Wohlfahrt in München. Heute wird dann wohl in Madrid beim spanischen Fußballverband der Scheck über 40 Millionen hinterlegt, bzw. Martínez wird dort vorstellig und bittet um Vertragsauflösung.

Wer sich jetzt erhofft, dass in diesem Beitrag zu lesen ist, dass Martínez die eingesetzten 40 Millionen Wert ist, den muss ich enttäuschen. Wir wissen doch alle, dass er diese wahnsinnige Summe (noch) nicht Wert sein kann. Auch Uli Hoeneß hat zugegeben, dass diese Summe festgeschrieben wurde und nichts mit seinem Marktwert zu tun hat. Sofern überhaupt ein Mensch auf diesen Planeten einen Wert von mehreren Millionen hat. Aber das ist ein anderes Thema.

Wir werden frühestens am Ende der Saison sagen können, ob es sich gelohnt hat dieses Risiko einzugehen. Hoffentlich hat unser Finanzvorstand Hopfner nicht schon eine Vorahnung, schließlich hört der gute Mann schon zur Winterpause auf. Allerdings gibt es bei DerBayernBlog eine wunderbare Erläuterung zum Können des Martínez. Das hört sich alles sehr vielversprechend an. Was dabei aber nicht erwähnt wird, sind die Roten und Gelben Karten der letzten Saison. Martínez sah 1x Rot, 2x Gelb-Rot und 10x Gelb. Das spricht jetzt nicht für einen fairen Defensivstrategen. Klingt mehr nach einem Holzhacker. Aber vielleicht kamen die Karten nur durch taktische Fouls zustande. Bestimmt.

Die Geschichte um diesen Transfer ist einfach unfassbar. Seit Wochen ist der Mann im Gespräch, seit Tagen lauern Journalisten am Flughafen und auf Twitter wird zur jeder Landung einer Maschine aus Bilbao ein virtuelles Fass aufgemacht. Und schließlich gibt es ein erstes verschwommenes Foto, das einen dünnen Spanier zeigt, der von einem Regenschirm innerhalb eines Gebäudes abgeschirmt wird. Also bescheuerter konnte das erste Beweisstück nicht sein. Ich finde die Geschichte hässlich und höchst amüsant zu gleich. Es hat mal wieder was von FC Hollywood, wobei aber der FC Bayern da eigentlich nichts für kann. Mir passt dieser Titel FC Hollywood überhaupt nicht, aber trotzdem muss ich zugeben, dass mir die letzten Tage auf Twitter unheimlich viel Spaß bereitet haben. Situationskomik und Wortwitz waren auf höchstem Niveau. Man hätte meine Timeline auch einfach als Kinofilm ablaufen lassen können, das Publikum wäre begeistert aus dem Saal geströmt. Vielen Dank, liebe Twitter-Timeline. Schade, dass es schon vorbei ist.

Herzlich Willkommmen, Javi Martínez!